
Abbildung 1: Auf der griechischen Insel Ikaria können sich die Menschen über ein besonders langes und glückliches Leben freuen. Warum das so ist wird wissenschaftlich erforscht.
Viele Menschen suchen nach Wegen und Möglichkeiten, ihre eigene Gesundheit zu verbessern und ihr Leben zu verlängern. „Longevity“ ist in aller Munde. Hier lohnt sich ein Blick in jene Regionen der Welt, in denen dies ganz natürlich zu gelingen scheint – die Blauzonen. In diesen geografischen Regionen leben auffallend viele Menschen, die nicht nur besonders alt werden, sondern dabei auch körperlich und geistig gesund bleiben. Doch was macht diese Orte so besonders? Und welche Erkenntnisse können wir daraus für unsere eigene Langlebigkeit gewinnen?
Zunächst: Was sind Blauzonen und wo liegen sie?
Der Begriff der „Blauzonen“ wurde durch den amerikanischen Wissenschaftsjournalisten Dan Buettner und sein Forschungsteam etabliert. Innerhalb seiner Forschung identifizierte er fünf Regionen auf der Welt, in denen die Menschen besonders häufig nahezu 100 Jahre alt werden – und das bei guter Gesundheit. Die identifizierten Regionen unterscheiden sich stark in ihrer Geografie, Kultur sowie ihrem Klima. Trotz dessen zeigen sich bemerkenswerte Gemeinsamkeiten im Lebensstil der Bewohner.
Das Team um Dan Buettner stellte fest, dass alle Regionen mehr oder weniger isoliert sind. Genauer gesagt sind die Regionen Inseln, Halbinseln oder liegen in Kleinstädten oder Bergregionen, wodurch die dort lebenden Menschen beispielsweise weniger Lärm, Luftverschmutzungen oder künstlichen Lichtverhältnissen ausgesetzt sind. Trotz der isolierten Lage besteht eine gute Anbindung an die medizinische Versorgung und sauberem Trinkwasser. Des Weiteren fällt auf, dass die Blauzonen in warmen und sonnenreichen Regionen liegen, was die Produktion von Vitamin D fördert.
Diese fünf Regionen werden als sogenannte Blauzonen betrachtet:
- Okinawa (Japan)
- Ikaria (Griechenland)
- Sardinien (Italien)
- Loma Linda (Kalifornien - USA)
- Nicoya (Costa Rica)
Natürliche Ernährungsweise – traditionell und pflanzenbasiert
Ein zentraler Faktor in allen Blauzonen ist eine überwiegend pflanzliche und naturbelassene Ernährung. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sind wesentliche Bestandteile der täglichen Nahrungsaufnahme. Diese werden oftmals selbst angebaut und sind damit frei von Pestiziden und sonstigen schädlichen Umwelteinflüssen. Dahingegen werden Fleisch sowie tierische Produkte nur eingeschränkt konsumiert und Zucker sowie industriell hergestellte Lebensmittel sind kaum Bestandteil der Ernährung. Die Lebensmittelauswahl ist saisonal und regional und die Zubereitung traditionell.
Bezüglich der Essensmenge verfolgen die Menschen in Okinawa beispielsweise die Methode, nur so lange und viel zu essen bis sie zu circa 80 % gesättigt sind. Dadurch wird ein gesunder Stoffwechsel gefördert und Übergewicht vorgebeugt. Eine Möglichkeit, die sich mit etwas Achtsamkeit in jeden Alltag integrieren lässt.

Abbildung 2: Bewegung ganz nebenbei und ohne Fitnessstudio-Abo – Gartenarbeit hält Körper und Geist fit.
Bewegung als fester Tagesbestandteil
Die Menschen, die in den Blauzonen leben, haben einen aktiven Lebensstil und integrieren Bewegung ganz natürlich in ihren Alltag. So stehen Gartenarbeit, Gemüseanbau, handwerkliche Tätigkeiten oder Wege zu Fuß auf der täglichen Agenda. Durch die hohe Alltagsbewegung in moderater Intensität wird die körperliche Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden gefördert.
Soziale Netzwerke – aber in echt

Abbildung 3: Soziale Bindungen wirken sich positiv auf die seelische und körperliche Gesundheit aus.
Eine der Superkräfte der Blauzonen stellt die Gemeinschaft dar. Dort leben die Menschen in einem stabilen sozialen Umfeld mit einem starken Gemeinschaftsgedanken. Gemeinschaftliche Aktivitäten, gegenseitige Unterstützung und ein reger Austausch sind Teil des Alltags. So besteht eine enge Verbindung der Menschen mit Familie, Nachbarn und Freunden. Die Menschen werden bis ins hohe Alter in die Gemeinschaft integriert. Hierdurch wird das Gefühl der Zugehörigkeit und auch der Sicherheit gesteigert. Die soziale Eingebundenheit scheint einen wesentlichen Faktor für ein langes und glückliches Leben darzustellen.
Sinnhaftigkeit
Menschen, die in den Blauzonen leben, wissen was zu tun ist. Ihr Leben hat einen klaren Sinn und jeder hat eine Aufgabe. Diese Aufgabe wird als wertvoll und für die Gemeinschaft zuträglich eingestuft und gibt dem Leben des Einzelnen eine gewisse Struktur. Für diesen Lebenssinn gibt es in den unterschiedlichen Regionen verschiedene Begriffe – und wie es auch genannt wird, es scheint einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und Langlebigkeit zu haben. Die Bewohner der Blauzonen wissen, wofür sie morgens aufstehen.
Rituale mit stressreduzierendem Effekt
Auch die Menschen in den Blauzonen sind nicht frei von Stress. Entscheidend ist jedoch der Umgang damit. Die Menschen dort reduzieren aktiv das Stresslevel, sei es durch regelmäßige Pausen, Mittagschlaf, Gebete oder Meditationen. Es wird bewusst Zeit für Entspannung geschaffen.

Abbildung 4: Entschleunigung ist keine Faulheit, sondern echte Lebensqualität.
Was können wir aus den Erkenntnissen der Blauzonen lernen?
Auch wenn wir nicht in einer dieser Regionen leben, sondern ganz andere Voraussetzungen und Lebensbedingungen haben, so können wir dennoch einige der Erkenntnisse aus den Blauzonen für uns nutzen und in unseren modernen Alltag integrieren. So könnte eine zuckerreduzierte Ernährung voller unverarbeiteter und möglichst naturbelassener Lebensmittel oder die Erhöhung der Alltagsaktivität, beispielsweise durch vermehrtes Zurücklegen der Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad mögliche Ansatzpunkte sein. Eine weitere Möglichkeit etwas aus den Erkenntnissen in das eigene Leben zu integrieren ist das Pflegen sowie bewusste Stärken der sozialen Beziehungen und damit des Aufbaus einer eigenen Gemeinschaft. Wer es den Menschen in den Blauzonen gleich machen möchte, kann bewusst Stressbewältigungsstrategien in seinen Alltag etablieren und einen Sinn in seinem alltäglichen Leben und Sein finden.
Kritik an dem Konzept der Blauzonen
Dan Buettner und seine Marketingfirma nutzen das Konzept der Blauzonen kommerziell, sodass kritisiert wird, dass kommerzielle Interessen die Berichterstattung beeinflussen könnten. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Zweifel an der Qualität der Daten zu Lebenserwartung und Gesundheit der Menschen in diesen Regionen durch ungenaue und eingeschränkt zuverlässige Dokumentation. (vgl. Amigo)
Fazit
Die Erkenntnisse aus den Blauzonen zeigen uns, dass es bei dem Ziel der Langlebigkeit - wie bei so vielem - um den Weg geht. Ein langes und gesundes Leben ist das Ergebnis eines Lebensstils, der wenig Schnickschnack zu benötigen scheint, sondern vielmehr von Naturbezug, Einfachheit, Gemeinschaft und Achtsamkeit geprägt ist – also ein bisschen „zurück zu unseren Wurzeln“.
Biografisches
Vivian Zajac ist studierte Gesundheitspädagogin (B.Sc.) und Heilpraktikeranwärterin mit einem besonderen Fokus auf ganzheitliche Gesundheit und Prävention. In einer Fortbildung zur Darmgesundheitsberaterin widmete sie sich 2022 ihrem Herzensthema Darmgesundheit. Auch in ihrer Freizeit beschäftigt sie sich intensiv mit Themen rund um Gesundheit, Naturheilkunde und Biohacking, eignet sich Wissen an und probiert selbst immer wieder Neues aus. Dabei sind Methoden wie Breathwork, Eisbaden, Kraftsport, gesunde Ernährung und eine möglichst optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ein fester Bestandteil ihres Lebens. Vivian Zajac liebt es nicht nur ihre eigene Gesundheit immer weiter zu optimieren sondern auch ihr Wissen und ihre Begeisterung – sowohl im privaten als auch beruflichen Kontext – weiterzugeben. Dabei ist für sie eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen essenziell.
Amigo I. Shades of blue. Science. 2024 Nov 22;386(6724):840-845. doi: 10.1126/science.adu7169. Epub 2024 Nov 21. PMID: 39571034. https://www.science.org/content/article/do-blue-zones-supposed-havens-longevity-rest-shaky-science Zugriff am: 14.07.2025.
Buettner D, Skemp S. Blue Zones: Lessons From the World's Longest Lived. Am J Lifestyle Med. 2016 Jul 7;10(5):318-321. doi: 10.1177/1559827616637066. PMID: 30202288; PMCID: PMC6125071. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6125071/ Zugriff am: 14.07.2025.
Poulain M, Herm A, Pes G. The Blue Zones: areas of exceptional longevity around the world. Vienna Yearbook of Population Research. 2013. Vol 11. 87-108. https://austriaca.at/0xc1aa500e_0x00307bb6.pdf
Abbildung 1: Andriy Blokhin/shutterstock.com ; Abbildung 2: VH-studio/shutterstock.com ; Abbildung 3: Rawpixel.com/shutterstock.com ; Abbildung 4: natrot/shutterstock.com
13.11.2025