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Rosen: Süße Düfte, Dornen und Zyanid

 
von Ulrich Welte
 
Süße romantische Liebe kann schmerzlich und erstickend sein, wenn sie unerfüllt bleibt.
Ein deutscher Marzipan-Produzent wirbt mit dem Slogan „Marzipan mit Liebe“ (Marzipan with Love), und das passt gut zu den Themen der Rosen und Rosaceae, der Rosengewächse.

Der typische, leicht bittere Geschmack von Marzipan kommt durch minimale, nicht-toxische Spuren von Zyan-Glykosiden zustande. Dies sind Vorstufen zu Blausäure, die sich erst im Magen nach dem Konsumieren bildet. Marzipan besteht aus süßen Mandeln (Prunus dulcis) und Zucker.

Ein höherer Gehalt von Blausäure  findet sich in giftigen Bittermandeln (Prunus amygdalus amara) und Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus). Den gleichen bitteren Geschmack haben die Kerne von Aprikosen, Pfirsichen, Kirschen, Pflaumen usw. Das Thema Blausäure gehört mehr oder weniger in die Familie der Rosengewächse (Rosaceae), obwohl nicht alle Zyan-Glykoside enthalten.

Die Rosaceae-Familie ist ein bitter-süßer Cocktail aus drei Zutaten in unterschiedlichen Anteilen:

  1. Romantisch, idealistisch und süße Liebe, die höfische Liebe der alten Zeiten
  2. Die anspruchsvollen und stickigen Themen der Blausäure
  3. Der Stich der Dornen

Die Erstickungsgefühle der Rosengewächse, die man durch sein Blausäure-haltiges  Mitglied Laurocerasus kennt, kommen vom Ersticken aus Liebe, das  wiederum aus der idealistischen Idee entsteht, Liebe müsse romantisch sein und für immer halten: die ewige Liebe. Wenn diese ultimative Liebe gefährdet ist, nehmen sie sich das zu sehr zu Herzen, und die besagten Dornen können sich tief ins Fleisch bohren.

Klinisches Bild: Herz-Probleme mit Zyanose. Erstickungszustand mit Asphyxie und blauen Lippen. Blaue Babys. Kardiale oder pulmonale Zyanose. Stenokardie, Druck auf der Brust, Engegefühl. Akne Rosacea. Wenn solche Beschwerden durch Probleme im Zusammenhang mit einer romantischen oder idealisierten Liebe verursacht oder durch diese verstärkt werden, und die ganze Symptomatik von Herzbeschwerden begleitet ist, ist das eine gute Indikation für die Rosaceae.

Psychodynamik: Das Zyanid-Thema der Rosaceae kommt dann ins Spiel, wenn die Forderung nach ewiger Liebe für den Partner zu einer Bedrohung zu werden beginnt, oder wenn sie nicht erfüllt wird. Die Rosen verlangen ausschließliche Liebe, sie lassen keine Affären zu. „Wenn du mich wirklich liebst, muss es die einzige Liebe im Leben sein.“ Dieser Alles-oder-nichts-Aspekt in Beziehungen ist Natrium-artig, aber süßer und anders als die mineralische, verschlossene, kühle Qualität der Natrium-Mittel. Die Liebe der Rosen ist süß und duftend, etwas Besonderes, und „summum bonum“ (ein lateinischer Ausdruck, der in der Philosophie des Mittelalters, der Zeit der höfischen Liebe und der Minne, „das höchste Gut“ heißt. Er wurde als Lobgesang von den Spielleuten gesungen, um das einzigartige und ultimative Ziel zu beschreiben, das die Menschen anstreben sollten).
 
Vielleicht zeigen die nicht-dornigen Rosaceae wie Agrimonia weniger offensichtlich die verletzenden Neigungen. Auch stehen bei den Rosengewächsen ohne Zyanid weniger die erstickenden Eigenschaften im Vordergrund. Hier zeigt sich eher eine Dominanz der Liebeskummer-Problematik, wie die unten angegebenen Fälle demonstrieren. Es ist sicher kein Zufall, dass der Apfel, der ebenfalls zu den Rosengewächsn gehörte, ein altes Symbol für Liebe und Sexualität ist. Im Apfel (Malus) überwiegt die Süße. Er hat keine Dornen und nur leicht bittere Kerne.

Zyanid-Themen. Die erstickende Qualität der Zyanide weist sie als Teil der Familie der Rosengewächse aus:

Zyanid = Zyanose, ein heftiger und erstickender Zustand.
Die chemische Formel von Blausäure ist HCN: Wasserstoff, Kohlenstoff und Stickstoff.
Wasserstoff: Das Säure-Prinzip, plötzliche Anfälle, Vehemenz, Thema Leben und Tod, Sein oder Nicht-Sein.
Kohlenstoff: physikalische Struktur, starre oder labile physikalische Existenz, bevorstehender Tod und Todesangst.
Stickstoff: Erstickungsanfälle, nimmt zu viel Raum ein, durchsetzungsfähig, vaskuläre Aktivität.

Herleitung der Zyanid-Themen aus der Theorie der Elemente, durch Fälle bestätigt: Zyanose (CN) mit heftigem (H) Erstickungs- (N) Zustand (H). Manische Aktivität (H), erobert seine Umgebung im Sturm (H), erstickt (CN) jede Opposition, indem er andere verbal nieder macht (H). Nimmt zu viel Raum ein (N) mit Erstickungsgefahr (CN); siehe „Interhomeopathy“, Mai 2008

DD Rosen und Zyanide: Laurocerasus hat den stärksten Zyanid-Aspekt; doch  haben die Rosen in der Regel einen romantischen Unterton, im Gegensatz zu Blausäure (hydr-ac).

DD Rosen und Sulfur-Mittel: Beide haben Probleme mit der Liebe und mit Beziehungen, aber Sulfur ist weniger idealistisch und irgendwie schäbiger; er hat Hautprobleme, die unangenehm riechen oder unsauber aussehen. Schwefel hat das Thema der Verführung durch Make-up, Kleidung usw. Die Rosen-Familie ist zyanotisch und hat blaue Lippen, während Sulfur rote Lippen hat, eher plethorisch ist und nicht zu Herzproblemen und Erstickungsanfällen neigt.

DD Rosen und Natrium-Mittel: Der Alles-oder-Nichts-Aspekt in den Liebesbeziehungen der Rosen ist zwar mit der Liebe der Natrium-Mittel vergleichbar, doch die Liebe der Rosen ist süßer und vollkommener und ganz anders als die mineralische, verschlossene, einseitige Art der Natrium-Mittel. Pflanzen sind weniger eindeutig, organischer, fließender und weniger vorhersehbar. Sie haben ein Eigenleben und können -  obwohl sie fest verwurzelt sind - sehr sensibel sein, wodurch sie sich von den strukturellen, fast langweiligen Beton-und-Stahl-Qualitäten der Mineralien unterscheiden.

Die folgenden Fälle sollen diese Themen veranschaulichen.

Agrimonia eupatoria: heiter und freundlich, kann aber dennoch keinen Partner finden, fühlt sich nur halb lebendig, es fehlt die andere Hälfte.

Eine alte Jungfer, die sich nur halblebig fühlt, weil sie nie einen Seelenverwandten gefunden hat.

Sie ist eine anständige, gut gekleidete 70jährige Lehrerin, mit silbrigem Haar und guten Manieren; sie trägt ein geschmackvolles Kostüm, das mit kleinen roten Blumen übersät ist, und darunter eine hellgrüne Bluse. Sie leidet unter Depressionen, Platzangst und Angst vor Demenz. Ihr Augenlicht wird infolge einer Makula-Degeneration immer schwächer. Sie wirkt fröhlich und offen, aber innerlich scheint sie kompliziert und sehr empfindlich zu sein.

Man hat bald das Gefühl, dass man sehr vorsichtig sein muss, weil sie sich die Dinge sehr leicht zu Herzen nimmt, das geringste falsche Wort kann Probleme verursachen und sie vielleicht enttäuschen. Auf die Frage, was ihr Hauptproblem sei, erzählt sie sehr offen und mit einem Lächeln, dass sie „nie ihren Seelenverwandten gefunden habe“ und noch unverheiratet sei.

Sie fühlt sich so allein. „Es kommt mir vor, als ob ich nur halb lebendig wäre, als ob ich mich in einem riesigen Wattebausch, so groß wie ein Marktplatz befinde.“ Anstatt sie über ihre Symptome zur Agoraphobie zu befragen, frage ich, wie es denn wäre, vollkommen lebendig zu sein. „Nun, natürlich, einen Partner zu haben, einen Ehemann!“

Sie erwähnt auch ihren unerfüllten Wunschtraum, eine Institution von „hinter den Kulissen“ zu leiten, die „gute Seele eines Gesundheitszentrums“ zu sein.

Ihre bevorzugte Farbe ist 24D, eine zartes Olivgrün. Die Rubrik im Farben-Repertorium schlägt Agrimonia vor, und dies wird bestätigt durch die Partnerschafts-Problematik als Thema der Rosaceae-Familie, und die zarte Liebe, die sie hegt, die aber nie erfüllt wurde. Auch ihr blumiges Kleid weist auf eine Pflanze hin. Das genügt mir, um es zu versuchen.

Am Tag nach der Einnahme von Agrimonia C 200 fühlt sie sich wie neugeboren. Selbst ihre Sehkraft hat sich verbessert. Einen Monat später kommt sie zum Follow-up und sagt, es gehe ihr gut; sie beginnt aber sofort über andere Beschwerden zu klagen. Es hört sich an wie eine Art Gezeter, als ob sie die gute Wirkung des Mittels vertuschen wolle und eine neue Beschwerde brauche. Jetzt meint sie, sie habe einen dicken Bauch (was nicht zu sehen ist).

Ich bin gerade nicht gut in Form, und anstatt dies als Wahnidee zu erkennen, bin ich ein wenig verärgert, was ich aber nicht zeige. Aber ich merke, dass sie es spürt und ihrerseits irritiert ist. Dann kommt die Helferin mit einem falschen Rezept für sie herein, auf dem oben der Name einer anderen Patientin steht. Als aufmerksame Lehrerin sieht sie es sofort. Das reicht, zwei Fehler - von diesem Moment an schärft sie ihre versteckten Dornen und zieht sich innerlich zurück. Sie sagt den nächsten Termin ab und kommt nie wieder.

Ich erwähne diesen kleinen und gewiss noch ungeklärten Fall nur, weil er auf ein mögliches Agrimonia-Thema hinweist: „fröhlich, kann aber keinen Partner finden, will einen Mann, findet aber keinen; fühlt sich nur halb lebendig, es fehlt die andere Hälfte.“ Später wurde dies in einem anderen Fall bestätigt:

Ihr fehlt ein Seelenverwandter, sie zwingt sich, fröhlich zu sein

Die Patientin ist eine etwa 40jährige Frau; sie ist sehr freundlich und es ist angenehm, sich mit ihr zu unterhalten. Sie ist eine gutmütige Psychologin, die -  was ihr fehlendes Selbstvertrauen angeht - gut auf Lanthanum sulfuricum reagiert hat, doch ihr Hauptproblem ist, dass sie nie einen Partner gefunden hat, was seltsam ist, weil sie gut aussieht und angenehm im Umgang zu sein scheint. Aber wer kennt die Wege des Schicksals? Sie sagte, dass sie, seit sie Agrimonia eupatoria LM 6 nimmt, nicht mehr so unter der Sehnsucht nach einem Partner und dem Schmerz ohne Partner zu leben leidet, und sich insgesamt besser fühlt, so lange sie es nimmt. Hier bestätigt sich wieder dieses Thema, auch wenn das Mittel nicht zur vollständigen Lösung des Falles führt.

DD Agrimonia und Apis:
Edward Bach beschreibt das Bach-Blüten-Mittel Agrimonia als „zu fröhlich“, unterhaltsam wie ein guter Kumpel, unruhig, und mit der Fähigkeit, Probleme zu vertuschen ausgestattet. Er verharmlost das Problem, wie in den vorliegenden Fällen zu sehen ist. Das Problem wird durch den Anschein von Heiterkeit beschönigt. Fröhlichkeit nach dem Verlust des Partners klingt ganz nach Apis, der fröhlichen Witwe. Aber die Apis Patientin ist jemand, die einen Partner verloren hat und weiterhin fröhlich und beschäftigt ist, um am Leben zu bleiben, während Agrimonia nie einen Partner gefunden hat und das Problem durch eine eher erzwungene Heiterkeit verdeckt. Apis ist eher betriebsam und geschäftig.

Crataegus oxyacantha: Der "Rosenkrieg" mit Zyanose. Scheidungs-Kämpfe mit bitterem Hass und Herzbeschwerden - Stadium 12

Stille Wut und Asthma

Dieser Mann war seit 30 Jahren Patient bei uns, und es dauerte fast genauso lang, um „seine Mittel“ zu finden - tatsächlich waren es zwei. Als er zum ersten Mal kam, war er 35 Jahre alt, schlank, mit düsterem Gesicht, tiefliegenden Augen und einem alarmierend scharfen Blick. Seine Augen können feurig aufblitzen, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt. Er ist immer kurz angebunden, wie er auch kurzatmig ist. Der Umgang mit ihm kann schnell schwierig werden, wenn er verärgert ist (Stufe 12), aber er ist treu und aufrichtig (Rose). Er leidet unter Asthma mit Schmerzen in der Herz-Region (Rose); dann werden seine Lippen dunkelblau (Zyan), manchmal sieht sein ganzes Gesicht bläulich grau aus. Er spricht wenig: Nur ein paar Worte, kurze Sätze. Er wirkt hart, aber wenn er sich verstanden und in Harmonie mit jemand fühlt, kann er sich öffnen und eine unerwartete, liebenswerte Seite zeigen, obwohl er dennoch kaum spricht. Unter seiner harten Schale ist er sehr empfindlich und spürt sofort, wenn jemand lügt. Seine Frau ist ganz anders: sie ist aufgeschlossen, hübsch, weniger geradlinig, und bei weitem nicht so ernsthaft wie ihr Mann; daher gibt es oft Streit, und keiner gibt auch nur einen Millimeter nach (Stadium 12). Früher hatte sie ihn unbedingt  heiraten wollen, war aber nach der Heirat enttäuscht. Sie sagt, dass er wegen geringfügiger Vorkommnisse leicht einen bitteren Hass entwickelt. Dann verschließt er sich völlig und straft sie mit endlosem Schweigen; seine Augen sind dann wie Dolche (Dornen). Vor diesem gefährlichen Blick fürchtet sie sich und hat manchmal Angst, dass er sie totstechen könnte (Dornen), obwohl er das nie gesagt hat. Er fordert von ihr (Zyan), treu zu sein (Rose), offen zu ihm zu sein und ihm zu gehorchen. Er hat nie Augen für andere Frauen gehabt, nur für sie (Rose). Zehn Jahre später zieht er ins Souterrain ihres Hauses, lebt dort allein und schottet sich völlig von ihr ab: er hat monatelang nicht ein einziges Wort mit ihr gesprochen, obwohl sie unter dem gleichen Dach leben.

Er hat schon viele verschiedene Mittel bekommen, von denen Sulfur und Kalium bichromicum am besten geholfen hatten, aber sein Asthma wurde nie geheilt und er brauchte ständig Sprays. So vergingen 20 Jahre. Seine Frau hatte ihn in bitterem Hass verlassen und war ihren eigenen Weg gegangen, um nie wieder zurückzukehren. Sie konnte seine erstickende Gegenwart (Zyan) nicht mehr ertragen.

Er hatte sich völlig eingebunkert, und verließ das Haus nur, um seine tägliche Arbeit in einem Baumarkt zu verrichten. In dieser schrecklichen Situation bekam er Crataegus C 1000, nachdem wir das Thema Rosenkrieg und Stadium 12 im Zusammenhang mit diesem Mittel bei Jan Scholten im Frühjahrs-Seminar in Utrecht im Mai 2004 kennen gelernt hatten, einer jährlichen Veranstaltung, die kein guter Homöopath verpassen sollte.

Dann fügte sich alles zusammen: seine Zyanose und die Allergie gegen Birnen (auch ein Mitglied der Rosengewächse) - beides wies auf die Familie der Rosengewächse hin. Seine Zunge wird taub, wenn er Birnen isst. Er meidet alles Steinobst (Rose) außer Kirschen.

Crataegus 1M war ein wunderbares Mittel für ihn, aber das blieb wegen seiner mangelhaften Kommunikation lange Zeit unbemerkt. Er kam erst nach 7 Monaten wegen eines juckenden Ekzems in der Herzgegend wieder, ein neues Symptom, das anstelle seines Asthmas und der Zyanose aufgetreten war, die verschwunden waren. Er hatte seine diesbezügliche Medikation kurz nach der Einnahme der Einzelgabe Crataegus abgesetzt. Das Mittel wurde nicht wiederholt, bis er 3 Jahre später einen Rückfall von Asthma und Zyanose hatte. Zwei Jahre davor hatten wir erlebt, dass auch seine Schwester sehr gut auf Crataegus reagiert hatte, und als er mit seinem Rückfall kam, war es klar, dass er nur eine Wiederholungsgabe brauchte, die einzige in 3 Jahren. Während der nächsten Jahre erhielt er das Mittel 3 Mal, und danach fand er eine neue Partnerin. Er ist viel offener geworden, hat keine Zyanose und kein Asthma mehr, ist jedoch nach wie vor nicht sehr gesprächig.

In letzter Zeit hat er entzündete Fuß- und Handgelenke mit Ödemen: sie waren  wie ein Ballon angeschwollen. Diese Probleme traten seit einigen Monaten in immer kürzeren Abständen auf. Wie immer kommt er kurz in die Praxis und macht wenig Aufhebens. Wir analysieren seine Modalitäten nach Bönninghausen/Frei, und Cannabis sativa taucht als erstes Mittel auf. Dies gehört nach dem neuen APG-System zu den Rosales und sollte auch in diesem Zusammenhang gesehen werden. Dann fügt er beiläufig hinzu, dass er das Gefühl hat, als ob Wasser an seiner Schläfe herunter tropft (er hatte vor ein paar Monaten einen Unfall). Aha - Mac Repertory und Reference Works erwähnen, „als ob Wasser auf den Kopf tropft“ auch als Hinweis auf Cann-s. Er erhält Cann-s. C 30, 4-mal täglich, was schnell hilft: am selben Tag klingt die Schwellung ab. „Wie geht es Ihnen jetzt“? – „Na, ganz gut, hmm.“ Das heißt schon viel für ihn und ist der beste Kommentar, zu dem er in der Lage ist. Am nächsten Tag: - „Hmm, 90% besser.“ Ein halbes Jahr ist seither vergangen, und es sind keine Beschwerden mehr aufgetreten.

Stille Wut mit thyreotoxischer Krise

Die folgende Frau ist die Schwester der oben genannten Patientin. Sie ist ein ähnlicher Typ: auch eine treue Patientin seit Beginn unserer Praxiszeit, etwas barsch, kurz angebunden und aufrichtig; sie ist leicht gereizt, wird dann still und weigert sich zu sprechen. Auch sie hatte einen intensiven Hass entwickelt, vor allem gegen ihren Mann, der zu viel trank, sie schlecht behandelte und früh starb, aber auch gegenüber ihrem Sohn, aufgrund geringfügiger Ursachen. Trotz der schlechten Behandlung ihres Mannes hatte sie immer treu zu ihm gehalten, aber ihre Ehe war eine Katastrophe. Als er starb, heiratete sie nie wieder und blieb Single aus Überzeugung.

Ich kam einmal wegen eines Notfalls mit starken Herzschmerzen zu ihr ins Haus. Sie war betrunken. Es war das erste Mal, dass ich in ihrem Haus war, und ich erwartete einen schrecklichen Ort. Aber das Gegenteil war der Fall, was mich sehr überraschte. Alles wirkte klar, ordentlich und aufgeräumt. Die Luft war mit Ausnahme eines leichten Alkoholgeruchs gut, und es herrschte eine süße, feine, harmonische Atmosphäre, ganz im Gegensatz zu ihrer Geschichte. Sie sammelte alte Puppen, die sie ordentlich kleidete, und eine davon saß auf dem Tisch und beobachtete sie.

Eine sehr süße Seite war unter ihrer rauen Fassade verborgen, die nur sehr wenige Menschen kennen lernten. Eine gute Seele mit Dornen, durch selbst gemachte Schwierigkeiten und Sorgen niedergedrückt. Gut passende früher gegebene Mittel waren Carboneum oxygenisatum, Nitrogenium oxidatum, Anacardium und Thyreoidinum gewesen. Die Idee von Crataegus kam mir, als sie erwähnte, dass sie den Geruch von Rosen nicht ausstehen könne.

Sie litt unter zyanotischer Herzinsuffizienz und Hyperthreose, und war ein sehr „dorniger“ Typ, so lag dieses Mittel nahe. In der Phytotherapie ist Weißdorn (Crataegus oxyacantha) ein bekanntes Mittel bei Herzinsuffizienz. Erst später erkannten wir, dass vieles aus ihrer Geschichte, auch der Kampf mit ihrem Ehemann, zu diesem Mittel passte.

Nach einer Gabe Crataegus C 1000 besserte sich Vieles. Ein paar Tage später besserten sich ihre Atemnot und die Zyanose, und sie wurde wieder etwas heiterer. Ihre frühere Abneigung gegen das Leben und ihre Selbstmorddrohungen hörten auf. Ihr depressives Aussehen veränderte sich zum Positiven, und sie war so ruhig und ausgeglichen wie nie zuvor. Dies alles hatte sich im Verlauf einer Woche geändert. Sie sagte auch, dass sich ihr Gedächtnis verbessert habe. Nach einer weiteren Dosis heilte eine alte geschwürige  Hautkrankheit. Sie veränderte ihr Aussehen und ließ sich eine neue Frisur machen.
Sie konnte nun problemlos ins Obergeschoss hinaufsteigen, während sie früher alle paar Schritte schnaufend stehenbleiben musste. Nach der Mittelgabe stieg sie mit ihren Einkaufstaschen fröhlich zu ihrer Wohnung hinauf. Innerhalb von 3-4 Monaten nahm sie 22 Kilo ab und kehrte zu ihrem Idealgewicht, das sie als sie als junge Frau gehabt hatte, zurück. Sie erhielt hie und da Crataegus 1000, etwa 4-5 Wiederholungen im Laufe eines Jahres. Wenn Atembeschwerden auftraten, half das Mittel schnell.

Dann hatte sie einen weiteren erbitterten Kampf mit ihrem Sohn. Wieder gab sie keinen Millimeter nach. Ihre Lippen hatten sich wieder blau gefärbt, sie litt unter schwerer Atemnot und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ihr Sohn weigerte sich sogar, sie im Krankenhaus zu besuchen. Das machte sie so wütend, dass sie eine stille, innere Wut entwickelte und bald eine thyreotoxische Krise mit Hyperthermie bekam. Sie starb im Krankenhaus auf der Intensivstation im Laufe weniger Tage. Ihr Sohn weigerte sich, zu ihrer Beerdigung zu kommen. Mein Gott, wie kann man nur so hart sein, sich gegenseitig misshandeln und sinnlos leiden!


Fotos: Wikimedia Commons
1. My sweet rose; Waterhouse JM
Crataegus Blumen und Dornen; Ulrich Welte
Kategorie: Fälle
Schlüsselwörter: Dornen, verschlossene Herzen, Rosenkrieg, bitterer Ehestreit, wortkarg, Treue, Zyanose, Süße, übermäßig freundlich, fehlender Partner
Mittel: Agrimonia eupatoria, Crataegus oxyacantha

 




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