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Barium bromatum: Schuld durch Ohnmacht und Versagen

 
von Allison Douglas-Tourner
 

S., eine 70jährige alte Frau, stellt sich in der Praxis vor. Sie ist schlank und macht einen etwas steifen Eindruck. Ihr Gesicht ist dünn und blass. Sie macht einen etwas spröden, verschlossenen und vorsichtigen Eindruck. Sie ist perfekt in schwarz und grau gekleidet, doch mit einem ruhigen Flair. Sie spricht ruhig, förmlich und kontrolliert. Sie hat einen trockenen Humor und lacht oft über sich selbst. Sie wirkt intelligent und warmherzig.

Körperliche Beschwerden

Ihr Hauptproblem war eine lebenslange Verstopfung. Es hatte eine Menge Druck im Zusammenhang mit der Sauberkeitserziehung gegeben, seit sie drei Monate alt war. Sie erinnerte sich daran, dass man sie auf den Topf setzte und sie dort sitzen ließ, damit sie etwas machte (was sie nie tat). „Ich wurde ständig kritisiert, weil ich nicht in der Lage war, das Gewünschte zu produzieren.“ Stuhlweichmacher, Diät und Bewegung hatten nichts genützt. Sie hat nur einmal in der Woche Stuhlgang.
Sie hat seit ihrer Kindheit eine Unterfunktion der Schilddrüse. Sie war 22 Jahre alt, als bei ihr eine Hypothyreose diagnostiziert wurde, aber sie hatte das Gefühl, dass sie diese wahrscheinlich schon seit ihrer Kindheit gehabt hatte. Sie war immer sehr müde und kalt.

Sie hatte eine Hiatushernie mit nächtlichem Sodbrennen im Hals, schlimmer durch zu spätes  oder zu viel Essen, schlimmer durch indisches Essen und Alkohol.

Sie hat Arteriosklerose und Bluthochdruck. Vor fünf Jahren hatte sie Probleme mit Blackouts, und sie hatte schon seit Jahren schreckliche Schmerzen in Nacken und Schultern. „Meine Arterie war völlig zu, aber ich brauchte

keine OP und keinen Bypass, weil die Arterie selbst kleine Seitenäste gebildet hatte und ihre Arbeit weiter verrichtete.“

Sie litt lange Zeit unter Migräne. Vor dem Migräneanfall hatte sie immer ein Verlangen nach Schokolade. Nach der Pensionierung verschwanden die Kopfschmerzen. Sie wachte jede Nacht um 3 Uhr morgens auf und konnte nicht wieder einschlafen.

Andere wichtige Aspekte

Vor etwa 20 Jahren hatte sie eine Nahtod-Erfahrung während einer missglückten Routine-Untersuchung im Krankenhaus. Sie blickte auf ihren Körper herab und wurde durch einen Tunnel ans Licht gezogen. Sie hatte das Gefühl in einen Strudel hinein gezogen zu werden. Sie wusste, dass sie aufhören würde zu existieren und war beglückt darüber. Sie entschied sich jedoch zurück zu kommen, weil ihre Kinder noch klein waren und sie noch brauchten.

Höhenangst – hat das Gefühl über den Rand gesaugt zu werden, wenn Sie auf einen Balkon steht.

Mag Salziges, gönnt es sich aber nicht.

Emotional Life

Sie erzählte mir, dass sie sich selbst als „gescheitert“ betrachtete, und sie empfand große Wehmut darüber. „Ich bin meinem Sohn nicht gerecht geworden. Ich habe mein Potenzial nicht ausgeschöpft und habe nicht so viel getan, wie ich hätte tun sollen. Das ist das Erstaunliche an der Nahtod-Erfahrung: Ich dachte: ‚Ich habe es gar nicht so schlecht gemacht’. So hatte ich das noch nie empfunden.“
Sie sagt, dass diese Fehlschläge sie in Gedanken verfolgen, ebenso wie das Scheitern ihrer Ehe vor etwa 40 Jahren. „Was war mein Anteil daran? Die Ehe ist gescheitert. Ich weiß nicht warum. Ich denke immer wieder darüber nach.“
„Durchsetzungsvermögen ist ein bedeutsames Wort für mich“, sagte sie zu mir. „Ich habe es nie geschafft. Vielleicht liegt es an meiner Angst zu versagen; an den Möglichkeiten, die ich versiebt habe. Oft glaube ich, dass ich einfach nicht wusste, wie ich den nächsten Schritt nach vorn über die Mittelmäßigkeit hinaus tun sollte. Ich hatte nie das Selbstwertgefühl und die Energie dazu. Ausdauer und Zielstrebigkeit sind Dinge, die ich bei anderen bewundere.“ Sie stellt immer hohe Erwartungen an sich selbst.
Sie hatte eine sehr verantwortungsvolle berufliche Position inne gehabt, die sie nicht gegen eine ehrgeizige Untergebene verteidigen konnte, die aufsteigen wollte. „Ich grollte und nahm es ihr übel, aber ich habe nie etwas gesagt oder getan. Dann ging ich eben einfach in den Ruhestand.“
„Das ist meine Art, mit den Dingen umzugehen“, sagt sie. „Irgendwann beende ich dann die Beziehung.“ Außerdem „verhalte ich mich, als wäre ich machtlos, und übernehme nicht gern eine starke Rolle.“
Sie hat das Gefühl, dass das, was sie denkt und sagt, nicht von Interesse für die Leute ist. Sie hat gewisse Vorurteile.

 Sie fühlt sich einsam, traurig und isoliert. Und irgendwie fühlt sie sich schuldig.

Wiederholte Träume

1) Ich nehme an einer schriftlichen Prüfung teil und bin entweder unvorbereitet oder kann den Raum nicht finden.
2) Ich bin in einem großen Kaufhaus. Ich versuche, den Ausgang zu finden, um wieder an die Universität zurück zu gelangen.
3) Ich bin wieder in der Stadt, wo ich mit meinem Mann gelebt habe. Ich habe eine wunderschöne Wohnung für meinen Mann und mich gefunden. Ich versuche, sie wieder zu finden, damit kann ich sie ihm zeigen kann. Sie ist immer in einem zerfallenen alten Haus. Ich habe Angst und habe das Gefühl versagt zu haben. Warum passiert das immer wieder? Ich muss meinen Weg da heraus finden.

Fallanalyse

Mein Leben war ein Misserfolg. So sehe ich es.“
Misserfolg und Scheitern sind die großen Themen. Sie glaubt, in ihrem Leben sei immer alles  missglückt:

  • Sie meint, sie sei ihrem Sohn nicht gerecht geworden.
  • Ihre Ehe ist gescheitert.
  • Es ist ihr nicht gelungen, ihre Chefposition zu verteidigen.
  • Schon als Baby hat sie es nicht geschafft, etwas zu produzieren; sie hatte keinen Stuhlgang. 

Sie führt ihre Niederlagen auf verschiedene Ursachen zurück, lauter Varianten ihres persönlichen Versagens:

  • Ihre Unfähigkeit durchzuhalten.
  • Ihr fehlendes Selbstvertrauen.
  • Ihr Mangel an Selbstwertgefühl.
  • Ihr Energiemangel.
  • Sie weiß nicht, was sie tun soll.
  • Ihr Ohnmachtsgefühl.

„Ich wurde dafür getadelt, dass ich nichts produzieren konnte.“

Natürlich zeigen sich die Unterfunktion und die Unfähigkeit auch auf der körperlichen Ebene:

  • Hypothyreose
  • Verstopfung
  • Arteriosklerose
  • Mangel an Energie
  • Mangel an Körperwärme

„Warum passiert mir das immer wieder? Ich muss meinen Weg da heraus finden.”

Die Vorstellung, überall versagt zu haben, vermittelte ihr folgende Gefühle:

  • Traurigkeit
  • Angst
  • Schuldgefühle
  • Einsamkeit

Jan Scholtens Homöopathie und die Elemente hat mir bei der Mittelsuche sehr geholfen (Barium bromatum ist in den Repertorien stark unterrepräsentiert). Die Gold-Serie hat viel mit Herz- und Schilddrüseerkrankungen sowie mit dem Thema Versagen zu tun. Barium - in Stadium zwei der Gold-Serie - hat mit den Themen Mangel und Unfähigkeit zu tun. Scholten schreibt, dass Ohnmacht in Führungspositionen die Essenz von Barium ist. Das trifft genau den Nerv. Er stellt auch fest, dass diese Menschen „tief in ihrem Inneren Macht und Würde besitzen; doch ihnen fehlt die Kraft, diese Eigenschaften heraus zu lassen.“
Die Schuldgefühle und Versagensängste ließen mich in diesem Fall an Brom und Barium  bromatum denken. Nach Scholten, kann Brom große Angst haben, seine Aufgabe nicht erfüllen zu können.“ Weiterhin stellt er fest: „Sie wissen, dass sie es hätten besser machen sollen, darum fühlen sie sich schuldig.“ Das passt auch hier.

 
Scholten schreibt auch, dass Bromdazu neigen kann, nachdem er versagt hat zu fliehen.“ Als ich den vorliegenden Fall bei einer homöopathischen Fall-Konferenz vorstellte, wies Iain Marrs auf die thematische Verbindung zwischen Stadium 17 und dem Nahtod-Erlebnis hin. Stadium 17 hat etwas mit loslassen, verlassen und fliehen zu tun. Nach einem Fehlschlag Beziehungen usw. zu beenden war ein typisches Verhaltensmuster von S.
 

Verordnung: Barium Bromatum C 12 - Einzeldosis

Follow-up nach zwei Monaten

Nach der ersten Einnahme des Mittels hatte sie zunächst eine Woche lang Grippe-ähnliche Symptome. Dann erlebte einen dramatischen Umschwung in ihrem Wohlbefinden. Von Anfang an hatte sie regelmäßig täglich Stuhlgang. Sie schlief besser. Ihre Energie stieg an; es ging ihr viel besser und sie begann sich selbst zu akzeptieren. Sie hat sich für einen Malkurs angemeldet.

Follow-up ein Jahr später

Sie hat keine Einschlafschwierigkeiten mehr. Sie wacht nachts nicht mehr auf und quält sich nicht mehr. Ihre Herz-Symptome haben sich gebessert. Sie hat keine Nackenschmerzen mehr. Verstopfung ist kein Problem mehr, oder nur ein bisschen vor kurzem. Sie hat regelmäßig einmal bis zweimal täglich Stuhlgang. Ihr Herz scheint sich weiter bessern, wie sie sagt. Der Arzt hat die Dosis ihrer Medikamente gesenkt. Ihr Thyroxinspiegel stieg während der Zeit, als das Mittel gegeben wurde, an. Ihr seelischer Zustand ist gut.

Verordnung:
Wiederholung von Barium bromatum C 12, weil die Verstopfung vor kurzem  wieder in geringem Maße aufgetreten ist.

Follow-up fünf Monate später

Ihr Arzt hat Tests gemacht und daraufhin sowohl die Herzmittel als auch die Schilddrüsen-Medikamente um die Hälfte reduziert.

Follow-up eineinhalb Jahre später

Es geht ihr nach wie vor gut. Ihr Arzt hat ihre Herz und Schilddrüsen-Medikamente nochmals reduziert.

Follow-up nochmals fünf Monate später

Es geht nach wie vor gut.
 

Fotos: Wikimedia Commons
1. Lichteffekt, gemeinfrei; Ulrich Rahm
2. Reines Barium in Argongasatmosphäre; gemeinfrei; Matthias Zepper
Kategorien: Fälle
Stichwort: Verstopfung, Hypothyreose, Thyroxin, Arteriosklerose, Versagen, Schuld, Ohnmacht, beenden
Mittel:
Barium bromatum




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