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Homöopathie in der Down Town East Side von Vancouver BC

 
von Lucy de Pieri
 
Im Jahr 2009 fühlte sich eine Gruppe von Homöopathen aufgerufen, den Menschen im Kampf gegen den Drogen- und Alkoholmissbrauch in der „Down Town East Side“ (DTE) von Vancouver zu helfen. Dieses Gebiet hat eine komplexe soziale und wirtschaftliche Geschichte, in der oftmals Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung und Armut über viele Generationen tief verwurzelt sind.
 

Vancouver

Zu Beginn durchlief die Gruppe einen „Soul-searching“ -Prozess. Die Frage: „Was ist Heilung?“ ist oft schwer zu beantworten, und besonders schwierig ist es, wenn man mit solchen emotional schwer geschädigten Menschen zu tun hat. Am Ende beschlossen wir, dass es unser Ziel sein sollte, die Menschen individuell zu beraten und sie darin zu unterstützen, Entscheidungen im Hinblick auf ihren Drogenkonsum zu treffen und die Möglichkeit einer homöopathischen Behandlung zu nutzen, um ihre verschiedenen gesundheitlichen Probleme anzugehen.

 

Sobald wir mit der Therapie begonnen hatten, wurde uns klar, dass wir einen sofortigen Zugang homöopathischen Mitteln brauchten, um effektiv arbeiten zu können. Dieses Problem konnte gelöst werden, indem uns einige Homöopathen Tropfen aus ihrem eigenen Bestand an potenzierten Mitteln spendeten, die zusammen mit einer Spende von Milchzucker-Kügelchen zur Grundausrüstung unserer Apotheke wurden, die wir in DTES eröffneten. Außerdem gab es einige Aktivitäten zur Beschaffung von Finanzen, die den Erwerb weiterer Medikamente und anderer notwendiger Dinge ermöglichen sollten.
Bei der Entscheidung, welche Mittel wir für die Apotheke in der DTE anschaffen sollten, dachten wir ursprünglich an die Mittel aus der Familie der Solanaceae und nach der Lektüre von Gabor Mate entschlossen wir uns, auch Milch-Mittel und Spinnenmittel, sowie Erste-Hilfe-Mittel anzuschaffen. In den letzten zweieinhalb Jahren haben wir jedoch festgestellt, dass wir in unserer DTES-Praxis die Solanaceae-Mittel, die Spinnenmittel und die Lacs auch nicht öfter verordnen, als sie in anderen homöopathischen Praxen verschrieben werden. Was die Potenzen betrifft, so geben wir unsere homöopathischen Mittel in C-Potenzen oder LM-Potenzen und die Schüßlersalze in D-Potenzen – natürlich wie immer individuell auf den Patienten zugeschnitten.
Viele unserer Patienten nehmen bereits eine Reihe von verschreibungspflichtigen Medikamenten (z.B. auch Methadon) für ihre vielen Krankheiten - darunter Hepatitis C, HIV, AIDS, Asthma, Bronchitis, Depressionen und Schlafstörungen - und dennoch reagieren die Patienten noch auf homöopathische Mittel! Was mir auffällt ist, dass die Mittel öfter gegeben werden müssen; daher ist es nicht ungewöhnlich, dass wir denselben Patienten alle 1-2 Wochen sehen und beim Follow-up das Mittel wiederholen oder wechseln. Die Patienten befinden sich oft in einem so intensiven und schnell fortschreitenden Zustand, dass es einem vorkommt, als ob sie das Mittel „ausbrennen“. Wir verschreiben die Mittel oft als Dilutio, und wenn kein destilliertes Wasser verfügbar ist, werden die Mittel in Wasserflaschen aufgelöst und  über den Tag verteilt getrunken. Diese Methode funktioniert unter den vorliegenden Bedingungen sehr gut.
Seit 2009 bieten zwei Homöopathen jede Woche Behandlung bzw. Betreuung an drei verschiedenen Orten in DTES an. Die Herausforderungen am jeweiligen Standort sind unterschiedlich. Im Extremfall bekommen die Homöopathen Patienten zu sehen, die unter einer oder mehreren Drogen stehen und zur Akutversorgung kommen. In solchen Fällen ist es nicht einfach zu erkennen, welche Symptome auf die Wirkung der Drogen zurückzuführen sind und welche individuell sind. Diese Praxis ist für Alle geöffnet; daher kommen auch einige Leute, die keine Drogen- oder Alkohol-Probleme haben: In solchen Fällen ist Armut meist der wichtigste Faktor, der ihre Gesundheit und ihre Entscheidungen beeinflusst.
In einer weiteren Praxis behandeln Homöopathen Patienten, die auf Entzug sind; es wird eine Akutversorgung gegeben, doch darüber hinaus ist in einigen Fällen auch eine konstitutionelle Behandlung möglich. Ein wichtiger Aspekt ist hier, dass sich die Patienten freiwillig zum Entzug entschlossen haben, und damit auch „bereit zu einer Veränderung sind“.
Eine Herausforderung ist an beiden Standorten die Kontinuität der Betreuung. Es ist oft schwierig - aber nicht unmöglich - regelmäßige Follow-ups zu haben. Ohne eine solche Regelmäßigkeit und Ordnung kann man nicht beurteilen, ob das Mittel gewirkt hat. An einem dritten Ort wohnen Frauen, die jahrelang auf der Straße gelebt haben, nun in ihren eigenen Zimmern und erhalten Nahrung und medizinische Versorgung. Für sie ist das das beste Zuhause, das sie lange Zeit gehabt haben. Hier haben die Frauen einen vollständigen  Entzug hinter sich und befinden sich nun im Prozess des Verstehens, warum sie auf der Straße gelandet sind. Manchmal werden sie rückfällig und müssen wieder eine zeitlang zum Entzug, bevor sie in ihre eigenen Räume zurückkehren können. Die meisten dieser Frauen wurden missbraucht und als Kinder und Erwachsene vernachlässigt. Hier sehen wir die tiefen Narben, die durch die von Generation zu Generation weiter gegebene Gewalt und Vernachlässigung entstehen - und doch haben diese Menschen den Willen zur Veränderung.
Eine der Voraussetzungen, um sich an diesem Ort aufhalten zu dürfen ist, dass die Frauen strengen Regeln folgen und jede Woche an einer bestimmten Anzahl von Programmen teilnehmen müssen - zum Beispiel Wut-Management, Beratung, Homöopathie oder Yoga - und im Gegenzug bekommen sie ein Taschengeld für ihren persönlichen Bedarf. Hier gibt es mehr Kontinuität in der Betreuung und regelmäßige Follow-ups; daher ist es leichter festzustellen, wie die Mittel gewirkt haben. Unter diesen Umständen können auch eher Konstitutionsmittel verschrieben werden, anstatt sich der mühsamen Arbeit zu unterziehen, immer nur auf akute Zustände zu reagieren.

Unabhängig vom Behandlungsort sind die Patienten froh und dankbar, dass ihnen  bedingungslos zugehört wird. Es ist oft das erste Mal, dass sich jemand zu ihnen setzt und ihnen aufmerksam und vorurteilslos zuhört. Manchmal haben wir nur 15 Minuten, bevor der Patient gehen muss, ein andermal können wir uns den Luxus leisten, mit jemandem zwei Stunden zu verbringen. Wir verordnen nach dem, was wir vor uns sehen, weil das alles ist, was wir haben und es unser Ziel ist, den einzelnen Patienten zu unterstützen.

Interessanterweise ist es ziemlich leicht festzustellen, welches Mittel der Patient braucht, sobald der Betreffende nicht mehr unter Drogen steht. Es gibt keine Kompensation und keine Fassade mehr, ihr Leiden steht unbeschönigt vor uns - und manchmal scheinen sie sogar die Leitsymptome ihres Mittels zu kennen! Doch natürlich sind sie ihnen nicht bewusst: es ist die Quelle, die aus ihnen spricht.

Die Krankheitszustände, von denen wir hier sprechen, sind zum Teil eine Folge von  Drogenabusus; z. B. verlieren Menschen, die unter Crystal Meth (Methylamphetamin) stehen, oft ihre Zähne, und sie suchen uns auf, weil sie nach einer Zahnextraktion Schmerzen haben. Ein weiteres Beispiel ist die chronische, schwächende Verstopfung als Nebenwirkung von Methadon. Es hat sich gezeigt, dass es sehr schwierig ist, dieses Problem rein homöopathisch zu behandeln. Wir behandeln auch oft Rekonvaleszenten, die unter dem Einfluss verschiedener Drogen von Autos überfahren oder von Gebäuden herab gestürzt sind.
Abgesehen von solchen Beschwerden, die eine direkte Folge ihres Lebensstils sind, suchen uns auch Menschen wegen chronischer Schmerzen auf - die einer der Gründe waren, warum manche mit Drogen begonnen haben und dann auf der Straße gelandet sind. Wir behandeln  Menschen mit Abszessen sowie systemischen und chronischen bakteriellen Infektionen, von denen manche seit zwei Jahren permanent Antibiotika einnehmen (!) - Dennoch kann die Infektion erfolgreich homöopathisch behandelt werden, zum Beispiel mit Silicea. Weitere gesundheitliche Probleme, die wir behandeln, sind chronische psychische Erkrankungen, Verdauungsstörungen, Reizdarmsymdrom, eingewachsene Zehennägel und Schlaflosigkeit. Was die Schlaflosigkeit betrifft - wenn man auf der Straße lebt, ist es schwer, nachts zu schlafen - immer ist da die Angst, angegriffen zu werden. Auch wenn die Betroffenen dann in ihren eigenen Räumen leben, hält diese Angst immer noch an; es dauert eine ganze Weile, bis eine solche Angst heilt.

Was Überraschungen betrifft: ich hatte einmal eine Patientin, die wegen morgendlicher Übelkeit kam; als sich herausstellte, dass sie schwanger war, war sie sehr überrascht, denn sie hatte gedacht, dass sie bei ihrem Lebensstil niemals Kinder bekommen würde.
 
heart

Ergebnis

Vor etwa zweieinhalb Jahren habe ich dort öfter Kurzvorträge über Homöopathie gehalten. Seither erzählen sich die Patienten gegenseitig, dass Homöopathie wirkt und dass man gut daran tut, unsere Therapeuten aufzusuchen. Sie verbringen ihre Wartezeit jetzt damit, sich  herzzerreißende Geschichten zu erzählen - und sich gegenseitig Mittel zu empfehlen.
 

Die Patienten sind sehr dankbar für die homöopathische Behandlung. Wir erleben, dass die Frauen und die Männer beginnen, gesündere Entscheidungen für sich zu treffen. Interessanterweise haben die Therapeuten festgestellt, dass die Patienten nach einer homöopathischen Behandlung eher in der Lage sind, über ihre Probleme zu sprechen, und  Traumata zu bearbeiten, an die sie sich vorher nicht heran gewagt haben. Ihr Verstand ist klarer geworden, und wir können jetzt auch auf anderen Wegen Fortschritte erzielen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine Ehre ist, als Homöopath ehrenamtlich in der Down Town East Side zu arbeiten. Es lässt uns wieder bescheiden werden, wenn wir sehen, dass diese Menschen allen Traumata, allem Missbrauch und Leid, die sie durchgemacht haben zum Trotz, noch am Leben sind - und dass homöopathische Mittel noch immer gut wirken und ihnen auf ihrem Weg helfen.


Dieser Artikel wurde auf www.interhomeopathy.org publiziert.



Fotos: Shutterstock
Vancouver, Heart of community
Kategorien: Allgemein
Stichwort: Sucht, Entgiftung, Methadon, Armut, Missbrauch, gesellschaftliche Aussenseiter, Ausgestoßene




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